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Neue Ansätze aus der Spieltheorie: Wie Kooperation gelingen kann

Der ORF berichtet über neueste Erkenntnisse zur Spieltheorie und deren Übertragung auf das Klimawandel-Thema.

Foto: pixabay / stux

Der folgenden Artikel ist am 05. Juli 2018 auf science.orf.at erschienen:

Was hat der Klimawandel mit dreckigem Geschirr in der Kaffeeküche zu tun? Bei beiden Problemen klappt die Zusammenarbeit zwischen Menschen nicht: Ein neues Modell erklärt, warum das so ist - und wie man es anders machen könnte.

Spieltheoretische Ansätze, mit denen man erforschen kann, wie Kooperation entsteht, sind an sich nichts Neues - doch ein Team um Christian Hilbe (IST Austria) und Martin Nowak (Harvard University) hat die bisherigen Forschungen zu „Spezialfällen“ ihres neuen Modells gemacht.

Bei ihnen ändert sich erstmals der Zustand der Ressource, um die es sich dreht, je nachdem, wie sehr sie die Spieler in der vorigen Runde strapaziert haben. Damit sei das neue Modelle viel weiter an der Realität als die vorigen, meinen die Forscher.

Die Ressource, das kann alles Mögliche sein: ein übernutzter Wald etwa; oder die Atmosphäre, deren Temperaturstabilität durch Industrie und Verkehr zusehends gefährdet wird; oder auch eine Kaffeeküche im Büro, in der sich das schmutzige Geschirr türmt, weil sich niemand dafür verantwortlich fühlt, wieder Ordnung zu machen.

Negative Folgen stoppen Egoismus

Das Modell von Hilbe und Nowak beinhaltet folgende Regel: Ein Spieler, der nicht kooperiert, steigt quasi eine Klasse ab und muss in der nächsten Runde um einen minderwertigeren Einsatz spielen. Wer die Ressourcen nicht egoistisch ausnützt, sondern sich nur einen nachhaltigen Ertrag aus dem Pott nimmt, steigt hingegen auf und kann in der nächsten Runde noch mehr gewinnen. In der Realität würde dies etwa dem entsprechen, dass ein übernutzter Wald oder ausgelaugter Boden im Folgejahr weniger Ertrag bringt als ein geschonter.

Durch diesen Kniff stieg die Kooperationsbereitschaft der Spieler im Vergleich zu Modellen mit gleichbleibender Ressource stark an, berichteten die Forscher. Am förderlichsten für eine bestandsschonende Zusammenarbeit sei es, wenn die Beteiligten rasch negatives Feedback in Form von dramatisch verschlechterten Erträgen bekommen. Mit dem neuen Modell könne man nun viel besser untersuchen, wie man eine Umgebung schaffen kann, die Menschen zur Zusammenarbeit ermutigen, erklärt Hilbe in einer Aussendung.

Was den Klimawandel anlangt, hilft diese Erkenntnis allerdings nur bedingt: Die Konsequenzen der CO2-Emissionen sind dauerhaft, stellen sich aber zeitverzögert ein. Das von den Forschern modellierte „negative Feedback“ kommt in diesem Fall womöglich nicht rasch genug.