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Die Rolle des Klimwandels im derzeitigen Kälteeinbruch: Auch die kältesten Winter werden immer wärmer

Kalftlufteinbrüche hat es schon immer gegeben – doch durch die starke Erwärmung der Arktis fallen auch diese Extremereignisse „immer wärmer“ aus.

Eingezeichnet finden Sie die Temperaturen der jeweils kältesten 5-Tages-Periode des entsprechenden Winters gemittelt über Mitteleuropa. Der Trend der sich aus den vergangenen Temperaturen ergibt lässt darauf schließen, dass kalte Winter auch in Zukunft immer wärmer werden. (Datenquelle: KNMI Climate Explorer, Datenauswahl & Bearbeitung: Douglas Maraun, Wegener Center).

CCCA Presseaussendung vom 28. Februar 2018:

Ein kräftiges Hochdruckgebiet mit Kern über Skandinavien transportiert an seinem südöstlichen Rand derzeit sehr kalte Luftmassen aus Nordosten bis weit in den Süden Europas. Diese arktischen Luftmassen sind die Ursache für die tiefen Minusgrade, die in den letzten Tagen in Österreich geherrscht haben.

Doch auch dieses wiederkehrende Phänomen hat sich im Lauf der Zeit verändert, erklärt Assoz. Prof. Dr. Douglas Maraun vom Wegener Center der Universität Graz: „Es gibt Perioden, in denen diese Ereignisse häufiger vorkommen und solche, in denen sie seltener sind. Insgesamt erkennt man, dass auch diese extremen Kältewellen immer weniger kalt werden.“

Mehr milde Winter zu erwarten

Solche Ereignisse treten im österreichischen Tiefland alle sieben bis zehn Jahre auf, der letzte vergleichbare massive Kälteeinbruch im Zeitraum Februar bis März wurde Ende Februar 2011 verzeichnet. Eine Studie der ZAMG konnte für den Ostalpenraum nördlich des Alpenhauptkamms eine statistisch hochsignifikante langfristige Zunahme der Wintertemperaturen im Hochgebirge nachweisen. Eine zuverlässige Prognose, wie die nächsten fünf oder zehn Winter ausfallen werden, ist aber seriöser Weise nicht möglich: „Eine Besonderheit der hochalpinen Wintertemperaturen ist, dass sie von Jahr zu Jahr und innerhalb von Jahrzehnten eine besonders hohe natürliche Variabilität aufweisen. Allerdings ist aufgrund des heute vorhandenen Verständnisses über die Mechanismen des Klimawandels mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der in der Vergangenheit nachgewiesene langfristige Erwärmungstrend auch in Zukunft fortsetzen wird und so das Risiko ungewöhnlich milde Winter zu erleben, von Jahr zu Jahr ansteigt“, so Dr. Marc Olefs Leiter der ZAMG Klimaforschung.

Der heurige Winter war gemäß der ZAMG Daten von drei sehr unterschiedlichen Monaten geprägt – der Dezember war in den Niederungen zu warm und auf den Bergen normal kalt und außergewöhnlich schneereich, der Jänner der insgesamt drittwärmste der Messgeschichte und der Februar kalt und trockener mit der gerade anhaltenden Kälteperiode und einer tiefsten gemessenen Temperatur unter 1.000 Höhenmetern von -24,3°C in Zeltweg in der Steiermark (26.02.18).

Tourismusforscher warnen vor Fehlschlüssen aus den kalten Temperaturen der letzten Tage

Robert Steiger von der Universität Innsbruck betont die wirtschaftliche Notwendigkeit der Anpassung an höhere Wintertemperaturen: „Klimawandel ist nicht das Ende des Wintersports, aber der Klimawandel sorgt für steigende Beschneiungskosten. Zudem bleibt ein Teil der Gäste bei grünen Wiesen trotz guter Bedingungen auf beschneiten Pisten aus. Es ist daher eine wirtschaftliche Notwendigkeit, sich auf die veränderten Rahmenbedingungen einzustellen um bei zunehmendem Konkurrenzdruck noch am Markt bestehen zu können. Mögliche Lösungen reichen vom Festhalten am Skiprodukt in Gunstlagen bis hin zur Verkleinerung oder gar Aufgabe des Winterbetriebs bei gleichzeitiger Stärkung der schneeunabhängigen Alternativen.“

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – und eine kalte Woche im Winter noch keine Eiszeit

„Die derzeit anhaltende Kältewelle in weiten Teilen Europas ändert gar nichts an der Grundproblematik der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung, sagt der Obmann des Climate Change Centre Austria (CCCA), Dr. Gerhard Wotawa. „Es wird in unseren Breiten auch in den nächsten Jahrzehnten immer wärmer, und die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Politik müssen sich darauf einstellen und an diese Situation anpassen. Zur Vermeidung der negativsten Folgen der Klimaerwärmung sind weltweit, auch in Österreich, rasche und entschlossene Maßnahmen zur Reduktion der Freisetzung von Treibhausgasen notwendig. Die entsprechende Transformation der Wirtschaft erfordert rasche Investitionen und bietet umfangreiche Chancen für ein Hochtechnologieland wie Österreich.“

Weiterführende Literatur: